Vom 17. bis 21. März 2025 wurde Wien zum interdisziplinären Stadtlabor für Stadtentwicklung und Tourismus, als die FHWien der WKW ihr erstes Erasmus Blended Intensive Program (BIP) „Caring for the City: Placemaking in the interplay of urban development and tourism“ veranstaltete. Das Erasmus-Intensivprogramm brachte Studierende und ExpertInnen aus ganz Europa zusammen, um nachhaltige Stadtplanungs- und Visitor-Economy-Strategien im Herzen der österreichischen Hauptstadt zu erforschen. Organisiert wurde die Woche von Cornelia Dlabaja und Daniela Wagner vom Studienbereich Tourism & Hospitality Management im Rahmen des Master-Studiengangs Urban Tourism & Vistor Economy Management.
Internationaler und interdisziplinärer Ansatz
40 internationale Studierende, ProfessorInnen und ForscherInnen der IUAV di Venezia (IT), ISCTE Lissabon (PT) und der Technischen Universität Bialystok (PO) und der FHWien der WKW folgten der Einladung zum ersten Erasmus BIP an der FHWien der WKW. Barbara Zimmer, die Leiterin des Center for International Education & Mobility (CIEM) hob bei der Begrüßung die Pionierleistung dieses BIP hervor, denn es war das erste derartige von der FHWien der WKW koordinierte Programm. Studienbereichsleiter Florian Aubke freute sich, dass im Rahmen des Projekts die Themenfelder des Master-Studiums Urban Tourism & Visitor Economy Management in interdisziplinären Teams aufgearbeitet wurden.
Die Studierenden arbeiteten eine Woche lang in acht Teams an den Herausforderungen der nachhaltigen Stadt- und Tourismusentwicklung in drei Zielgebieten.
Die Woche begann mit den Inputs der renommierten ForscherInnen Prof. Dr. Alexandra Paio, University of Lisbon, Prof. Dr. Giovanna Marconi, University of Venice, Dr. Donagh Horgan, Inholland Hogeschool. Einblicke in die Arbeit von Placemaking.x und das “Project for Public Space” gab Ethan Kent aus New York.
Um die Forschung mit der Praxis zu verbinden, gaben die Gebietsbetreuung GB*16, die Brunnenpassage, das Grätzllabor Innere Stadt, Roland Krebs vom Planungsbüro SuperWien, Johannes Lutter von der UIV, sowie der international renommierte Placemaking-Experte Ethan Kent von Placemaking.x ihre Expertise und Erfahrungen an die Studierenden weiter. Projektpartner waren die Bezirksvorstehung Innere Stadt und WienTourismus.
FH-Professorin Cornelia Dlabaja, betonte die Bedeutung dieser vielfältigen Gruppe: „Es freut uns sehr, Studierende und ForscherInnen aus verschiedenen Disziplinen und Städten zusammenzubringen. Dieser interdisziplinäre Ansatz ist entscheidend für die Entwicklung innovativer Lösungen für die komplexen Herausforderungen, mit denen unsere Städte heute konfrontiert sind.“
Forschungslabor im Stadtraum
Nach den Inputs zu Methoden und Theorien gab es eine Reihe von geführten Walks bei denen lokale ExpertInnen ihr Wissen über die Untersuchungsorte mit den Studierenden teilten. Den Auftakt machte der Besuch der Brunnenpassage, ein Input von Pieter Owen zur Grätzlerei sowie eine Führung der Gebietsbetreuung GB*16 und Cornelia Dlabaja. Danach begannen die Studierenden mit ihren Bestands- und Sozialraumanalysen in den Untersuchungsräumen. Am Nachmittag gab es Inputs zur Planungsgeschichte der Inneren Stadt von Cornelia Dlabaja und Hintergrundinformationen von Daniela Wagner.
Zu Gast im Alten Rathaus
Den krönenden Abschluss der ersten Projektphase machte der Round Table zu Placemaking an der Schnittstelle von Stadt- und Tourismusentwicklung im Alten Rathaus. Gastgeber war die Bezirksvorstehungsstellvertreterin der Inneren Stadt Patricia Davis. In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Giovanna Marconi, IUAV University of Venice, Alexandra Paio, University of Lisbon, Daniela Wagner, FHWien der WKW, Ethan Kent, Placemaking X, Johannes Lutter, UIV und Cristina Catalanotti, IUAV University of Venice, über brennende Fragen und Befunde zu den Herausforderungen der Städte und mögliche Lösungswege aus. Moderiert wurde der Talk von Cornelia Dlabaja.
Das Ikea-Grätzl und der Westbahnpark
Am Mittwoch fand die erste Feldaufnahme statt. Am frühen Nachmittag gab es einen weiteren Walk zum Ikea-Grätzl und zum geplanten Areal des Westbahnparks. Dr. Yvonne Frank von der Universität Wien gab Einblicke in ihre langjährige Forschung zum Westbahnhof und dem Grätzl rund um Ikea. Danach stand ein Besuch im Motel Jo & Joe auf dem Programm und Pieter Owen stellte die Initiative Paradiso vor, einen gemeinnützigen Verein, der das Spielen in der Stadt fördert. Anschließend erläuterte Roland Krebs vom Planungsbüro SuperWien das Konzept für das umliegende Stadtentwicklungsgebiet Mitte 15.
Die Exkursionen boten den Studierenden einen Einblick in die Vielfalt der Wiener Grätzl und Stadtentwicklungsgebiete und deren Herausforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit, sozialen Zusammenhalt, Klimaresilienz und Tourismusmanagement. Am Abend bot das Social Dinner auf dem Badeschiff den Studierenden die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen.
Den Abschluss am Mittwoch machte das Placemaking Netzwerk Event bei dem Ethan Kent lokale PlacemakerInnen traf und das als Gründungsevent für Placemaking Austria am Badeschiff genutzt wurde.
Forschungsprojekt: Neugestaltung öffentlicher Räume
Der Kern des Programms drehte sich um ein praktisches Forschungsprojekt. Die Studierenden arbeiteten in internationalen, interdisziplinären Gruppen, um aktuelle Herausforderungen in der Stadtplanung und Visitor Economy in drei Zielgebieten zu analysieren:
- Schwedenplatz
- Westbahnhof
- Brunnenmarkt
Mithilfe empirischer Analysen und Placemaking-Ansätze an der Schnittstelle von Tourismus- und Stadtentwicklung entwickelten die Gruppen Konzepte für aktuelle und zukünftige Planungskontexte und Projekte. Das Erasmusprojekt ermöglichte es den Studierenden, erlerntes methodisches und theoretisches Wissen auf reale Planungskontexte anzuwenden.
Nach weiteren Analysen und der Vorbereitung am Donnerstag wurden die Ergebnisse der interdisziplinären Forschungsteams am Freitag, den letzten Tag des Programms, in der FAKTory präsentiert. Dazu begrüßte sie Judith Fritz, die Leiterin der FAKTory. Fachliches Feedback zu den Arbeiten der Studierenden gaben die internationalen ExpertInnen Alexandra Paio, University of Lisbon, Cristina Catalanotti, IUAV und Donagh Horgan, Inholland Hogeschool Rotterdam sowie unsere lokalen ExpertInnen Patricia Davis, Bezirksvorstehung Innere Stadt, und Tarek Diebäcker vom Grätzllabor Innere Stadt, der darüber hinaus selbst in die Erstellung des Masterplans von Mitte15 als Landschaftsplaner involviert war.
Das „Caring for the City“ BIP bot eine besondere Gelegenheit für Studierende, sich mit den Komplexitäten der Stadtentwicklung und des Tourismus mit Praxisbeispielen auseinanderzusetzen. Durch die Zusammenführung verschiedener Perspektiven und die Förderung interdisziplinärer Kooperation zielte das Programm darauf ab, die nächste Generation von StadtplanerInnen und Tourismusprofis zu inspirieren, nachhaltigere und lebenswertere Städte für alle zu schaffen.
Professorin Dlabaja schloss: „Wir haben den Studierenden nicht nur Stadtplanung und Tourismus beigebracht – wir haben sie ermächtigt, die Zukunft unserer Städte zu gestalten. Der interdisziplinäre Charakter dieses Programms war das, was mich am meisten begeisterte, da er die komplexen, miteinander verbundenen Herausforderungen widerspiegelte, mit denen unsere urbanen Räume heute konfrontiert sind. Ohne die Zusammenarbeit mit unseren lokalen PartnerInnen und internationalen ForscherInnen wäre die Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen.“